La version originale de… Gilbert Bécaud (!), 1955:
Die 1955 Originalversion von… Gilbert Bécaud (!):
Je t'aime comme / comme un copain (sic!)
Ich liebe dich wie / wie einen Kumpel (sic!)
La version reggae de Slim Smith & Paulette, 1969:
Die 1969 Reggae-Version von Slim Smith & Paulette:
So never me lonely, tell me you love me only
Une autre version reggae, des Maytones, 1976:
Eine andere Reggae-Version (1976) von The Maytones:
mercredi 27 février 2013
mardi 26 février 2013
"Is it wrong of me to except you to change your mind?"
Die Three Tops singen "Friday is a miserable day", und Gott Marx sei Dank sind wir heute Tuesday. Es ist Dienstag und grau in Berlin, aber in Berlin ist es grau seit so vielen Tagen und Wochen, dass man deren Anzahl nicht mehr so im Griff hat, so in der Massen, dass man auch leider ertönen könnte: "Tuesday is a miserable day."
Der norwegische Schriftsteller (und Freund des JB, der ihn ins frantsösischö übersetzt) Johan Harstad hat in Buzz Aldrin geschrieben:
Jedenfalls ist der heutige Dienstag grau, irgendwie nutzlos & lustlos, zwecklos & endelos. Der JB sitzt am Schreibtisch in seinem sozialistischen Palast, und versuchtdas Grauen das Grau musikalisch zu färben — vergebens: immer wieder stosst er auf traurige Lieder, er der gestern zu seinem horizontalen Besuch sagte, es gäbe im Reggae wenig traurige Lieder, denn das horizontale Besuch freute sich auf den drums-Sampler, den der JB mit seinen kleinen Händen gebastelt hatte, und sagte: "Ich wusste nicht, dass Reggae so fröhlich war." Tja…
Immer wieder stosst der JB auf das Lied von Marie Pierre, er der auch eine kennt, die sich endlich gestern wieder gemeldet hat. Also heisst es, nichts sei hoffnungslos, es wird schon amEnde, wie man alltäglich und ein bisschen gähnlich auf Deutsch sagt. Marie Pierre hat nur eine CD gemacht, Love Affair, in 1979, von Dennis Bovell produziert, über welchen der JB schon neulich erzählt hat. Also ist die Musik lovers rock und das Lied heisst Can't Go Through (With Life). Tja, passend an diesem Dienstag, wa?
Der JB liebt dieses Refrain:
well if you wanna be free
i won't try to stop you this time
but is it wrong of me
to except you to change your mind
just because i can't go through
without you i can't go through with life
oh baby i can't go through
without you i can't go through with life
Der JB wiederholt:
Is it wrong of me to except you to change your mind?
Das ist eine Frage, die der JB sich seit einige Wochen täglich stellt, aber das ist eine andere Geschichte. Eins ist aber sicher: nach dieser Love Affair hat Marie Pierre nicht mehr gesungen. Oder doch: sie war backing vocal girl für Janet Kay auf deren LP Capricorn Woman (1982), und irgendwie das war's. Buh… Hier ist sie:
Eine schöne Frau. Was macht sie heute? Heute Dienstag? Hat sie eine Verabredung? Ist das Wetter auch grau dort, wo sie steckt? Findet sie der Tag auch lustlos & nutzlos? Buh…
Der norwegische Schriftsteller (und Freund des JB, der ihn ins frantsösischö übersetzt) Johan Harstad hat in Buzz Aldrin geschrieben:
Heute ist Dienstag. Ich sehe es am Licht, der Verkehr vor dem Fenster wird den ganzen Tag über langsam fließen, lustlos. Dienstag. Der überflüssigste Tag der Woche. Ein Tag, der zwischen den anderen Tagen fast niemandem auffällt. Das habe ich irgendwo gelesen, ich weiß nicht mehr, wo, aber man hat jetzt herausgefunden, daß an einem durchschnittlichen Dienstag statistisch gesehen 34 Prozent weniger Verabredungen getroffen werden als an den übrigen Tagen. Weltweit. Es ist einfach so. Andererseits finden dienstags deutlich mehr Begräbnisse statt als an anderen Wochentagen. Sie häufen sich, man kommt nicht mehr nach.
© Ina Kronenberger für die deutsche Übersetzung, © Piper Verlag
Jedenfalls ist der heutige Dienstag grau, irgendwie nutzlos & lustlos, zwecklos & endelos. Der JB sitzt am Schreibtisch in seinem sozialistischen Palast, und versucht
Immer wieder stosst der JB auf das Lied von Marie Pierre, er der auch eine kennt, die sich endlich gestern wieder gemeldet hat. Also heisst es, nichts sei hoffnungslos, es wird schon amEnde, wie man alltäglich und ein bisschen gähnlich auf Deutsch sagt. Marie Pierre hat nur eine CD gemacht, Love Affair, in 1979, von Dennis Bovell produziert, über welchen der JB schon neulich erzählt hat. Also ist die Musik lovers rock und das Lied heisst Can't Go Through (With Life). Tja, passend an diesem Dienstag, wa?
Der JB liebt dieses Refrain:
well if you wanna be free
i won't try to stop you this time
but is it wrong of me
to except you to change your mind
just because i can't go through
without you i can't go through with life
oh baby i can't go through
without you i can't go through with life
Der JB wiederholt:
Is it wrong of me to except you to change your mind?
Das ist eine Frage, die der JB sich seit einige Wochen täglich stellt, aber das ist eine andere Geschichte. Eins ist aber sicher: nach dieser Love Affair hat Marie Pierre nicht mehr gesungen. Oder doch: sie war backing vocal girl für Janet Kay auf deren LP Capricorn Woman (1982), und irgendwie das war's. Buh… Hier ist sie:
Eine schöne Frau. Was macht sie heute? Heute Dienstag? Hat sie eine Verabredung? Ist das Wetter auch grau dort, wo sie steckt? Findet sie der Tag auch lustlos & nutzlos? Buh…
vendredi 22 février 2013
"Don't break my heart"
Und der JB sitzt da, an seinem Schreibtisch, in seinem sozialistischen Palast, er guckt nach draussen, in der zonigen Strasse läuft niemand, alle schlafen in der Zone um die Zeit, und plötzlich denkt er:
I've been walking on a tight rope
Wie geht's das Lied aber weiter?
I've been walking on a tight rope, baby…
Jaaa - und?
Black harmony singt das Lied, das weiss er. Spät 70er, muss es herausgegeben werden. 1980, wenn er überprüft. Bei DEB Music. Die haben dort fast nur Lovers Rock produziert. Gutes Zeug (Dennis Brown!). Aber auch roots, wie Black Uhuru. Tight Rope, also das Lied von Black Harmony, ist übrigens eben mehr roots als lovers rock. Von der Musik her. Von den Texten ist es definitiv lovers rock. Worum geht es? Tja, Liebe, Liebe, Liebe. Was sonst? "Love is all I need, look around and you'll see me", singt Claire, die Vokalistin. OK, verstanden. Aber davor, also vor der Liebe, ist es echt eng. "A tight rope", nämlich. Was ist das (und der JB betont)?
To walk on tight rope, buchstäblich, bedeutet also Seiltanzen, auf einem gespannten Seil balancieren. Übertragen heisst es, laut das Larousse:
noun
Drahtseil das
to be on OR walking a tightrope (fig) einen Balanceakt vollführen
Ist es so? Auf frantsösichö benutzt man die gleiche Redewendung wie im Englischen: être (= sein) oder marcher (= laufen) sur la corde raide (= auf dem Drahtseil). Vollführen auf Deutsch findet der JB volldeutsch! Vollkrassdeutsch, ey, alda! Die Situation ist supereng, megaschwierig, ja, lebensgefährlich, aber wie immer, die Deutschen "vollführen". Meisterhaft!
Das frantsösischö Witktionary hilft uns mit der Übersetzung:
Und der JB betont: risikoreich har nichts mit Sarkoreich zu tun — hm, obwohl…
Aber zurück zu Claire von Black Harmony, die also eine Drahtseilakt aufführt & hat es schwierig in ihrem alltäglichen Liebesleben (tja, was sonst?). Der JB versteht sie und identifiziert sich völlig mit ihr. Aber was singt sie nachher? Naja, sie spinnt die Metapher, wie man so schön auf frantsösischö sagt, und ergänzt:
I've been walking on a tight rope, baby,
Stepping on a line for love
Tja, das übliche im Liebesleben eben…
Jetzt hören wir es aber:
Och, ist das Lied schööön… Mann mann mann! Der JB, dieses kleines Ding, liiiebt dieses Lied.
Es gibt aber auch ein anderes Lied von Black Harmony, das der JB liebt. Der Musikstil ist disco reggae (jo!) und das Lied heisst, Don't let it go to your head, von 1979, also ein Jahr früher, eigentlich eine Coverversion von Jean Carne - aber dieses ist viel besser. Wir hören, und passen auf das volldisco "puh-puh-puh!":
Boah, volldisco & vollkrass, alda, ey! Der JB rennt schnell sein schöntes Tanzoutfit rausholen (gelbes Polyamid-Rollkragenpulli + grüne Polyesterschlaghose) und weiter geht's mit dem puh-puh-puh!
I've been walking on a tight rope
Wie geht's das Lied aber weiter?
I've been walking on a tight rope, baby…
Jaaa - und?
Black harmony singt das Lied, das weiss er. Spät 70er, muss es herausgegeben werden. 1980, wenn er überprüft. Bei DEB Music. Die haben dort fast nur Lovers Rock produziert. Gutes Zeug (Dennis Brown!). Aber auch roots, wie Black Uhuru. Tight Rope, also das Lied von Black Harmony, ist übrigens eben mehr roots als lovers rock. Von der Musik her. Von den Texten ist es definitiv lovers rock. Worum geht es? Tja, Liebe, Liebe, Liebe. Was sonst? "Love is all I need, look around and you'll see me", singt Claire, die Vokalistin. OK, verstanden. Aber davor, also vor der Liebe, ist es echt eng. "A tight rope", nämlich. Was ist das (und der JB betont)?
| tight·rope
1. A tightly stretched rope or a wire, on which acrobats perform high above the ground.
2. An extremely precarious course or situation.
|
To walk on tight rope, buchstäblich, bedeutet also Seiltanzen, auf einem gespannten Seil balancieren. Übertragen heisst es, laut das Larousse:
tightrope
[ˈtaɪtrəʊp]noun
Drahtseil das
to be on OR walking a tightrope (fig) einen Balanceakt vollführen
Ist es so? Auf frantsösichö benutzt man die gleiche Redewendung wie im Englischen: être (= sein) oder marcher (= laufen) sur la corde raide (= auf dem Drahtseil). Vollführen auf Deutsch findet der JB volldeutsch! Vollkrassdeutsch, ey, alda! Die Situation ist supereng, megaschwierig, ja, lebensgefährlich, aber wie immer, die Deutschen "vollführen". Meisterhaft!
Das frantsösischö Witktionary hilft uns mit der Übersetzung:
- allemand : einen Drahtseilakt aufführen
- anglais : to be in a tightrope
- espagnol : estar en la cuerda floja
Und der JB betont: risikoreich har nichts mit Sarkoreich zu tun — hm, obwohl…
Aber zurück zu Claire von Black Harmony, die also eine Drahtseilakt aufführt & hat es schwierig in ihrem alltäglichen Liebesleben (tja, was sonst?). Der JB versteht sie und identifiziert sich völlig mit ihr. Aber was singt sie nachher? Naja, sie spinnt die Metapher, wie man so schön auf frantsösischö sagt, und ergänzt:
I've been walking on a tight rope, baby,
Stepping on a line for love
Tja, das übliche im Liebesleben eben…
Jetzt hören wir es aber:
Och, ist das Lied schööön… Mann mann mann! Der JB, dieses kleines Ding, liiiebt dieses Lied.
Es gibt aber auch ein anderes Lied von Black Harmony, das der JB liebt. Der Musikstil ist disco reggae (jo!) und das Lied heisst, Don't let it go to your head, von 1979, also ein Jahr früher, eigentlich eine Coverversion von Jean Carne - aber dieses ist viel besser. Wir hören, und passen auf das volldisco "puh-puh-puh!":
Boah, volldisco & vollkrass, alda, ey! Der JB rennt schnell sein schöntes Tanzoutfit rausholen (gelbes Polyamid-Rollkragenpulli + grüne Polyesterschlaghose) und weiter geht's mit dem puh-puh-puh!
mardi 19 février 2013
"You can bet your life"
Die Originalversion von The Ink Spots, anno 1941:
Die Rocksteady-Covversion von Derrick Harriott, anno 1968:
(Hier auch anzuhören, aber wegen GEMA gesperrt! grrr! also nur im Ausland.)
Und der JB erinnert sich ganz gut.
Neulich, bei einem Nighter, wurde das Lied aufgelegt. "Glups", sagte der JB in seinem "komplizierten Kopf" (© Dr D, der übrigens nich der Doctor Dick von Lee Perry ist!!!). "Jetzt aber weder weinen noch traurig sein."
Aber N. war neben ihm & dann ging alles wunderbra. Nur sagte der JB: "Dieser Satz ist furchtbar!"
Do I worry? You can bet your life that I do.
Und N. war mit dem JB ganz einverstanden. Er fand das auch.
Der JB sagte es sogar auf frantsösischö: "Cette phrase, elle est terrible." Also, furchtbar im direkten Sinne des Wortes:
1. durch seine Art, Gewalt o. Ä. sehr schlimm, bange Beklemmung erregend
Also schrecklich, schreckerregend: You can bet your life (that I do).
Der JB wiederholt:
Do I worry? You can bet your life that I do.
Dann lässt es sich natürlich fragen, ausgerechnet um die Uhrzeit (23:23, die perfekte Uhrzeit):
Is there panic, when it starts turning dark?
Nee, oder?
Und dann diese Frage noch:
And when evening shadows creep, do I lose any sleep over you?
Auch nich, oder?
Nö. Nö-nö.
Die Rocksteady-Covversion von Derrick Harriott, anno 1968:
(Hier auch anzuhören, aber wegen GEMA gesperrt! grrr! also nur im Ausland.)
Und der JB erinnert sich ganz gut.
Neulich, bei einem Nighter, wurde das Lied aufgelegt. "Glups", sagte der JB in seinem "komplizierten Kopf" (© Dr D, der übrigens nich der Doctor Dick von Lee Perry ist!!!). "Jetzt aber weder weinen noch traurig sein."
Aber N. war neben ihm & dann ging alles wunderbra. Nur sagte der JB: "Dieser Satz ist furchtbar!"
Do I worry? You can bet your life that I do.
Und N. war mit dem JB ganz einverstanden. Er fand das auch.
Der JB sagte es sogar auf frantsösischö: "Cette phrase, elle est terrible." Also, furchtbar im direkten Sinne des Wortes:
1. durch seine Art, Gewalt o. Ä. sehr schlimm, bange Beklemmung erregend
Also schrecklich, schreckerregend: You can bet your life (that I do).
Der JB wiederholt:
Do I worry? You can bet your life that I do.
Dann lässt es sich natürlich fragen, ausgerechnet um die Uhrzeit (23:23, die perfekte Uhrzeit):
Is there panic, when it starts turning dark?
Nee, oder?
Und dann diese Frage noch:
And when evening shadows creep, do I lose any sleep over you?
Auch nich, oder?
Nö. Nö-nö.
Ein Yo-La-Tengo-Wetter
Es schneit in Berlin. Eine schwindende Helligkeit trotzt den grauen Himmel, es gibt kaum Menschen in der zonigen Strasse, die den sozialistischen Palast herbergt. Vor der Schule verweis(s)en die grünbraunen Wiesen, heute noch wegen der Streik schülerlos. Es ist ein Wetter, wo man vorm Fenster steht, seine P&S raucht, in der Ferne schaut ohne was zu sehen. Es ist ein Bettwetter und überhaupt ein bitte-nicht-wieder-allein-unter-der-Decke-Wetter. Es ist ein Yo-La-Tengo-Wetter.
You tell me summer's here,
And the time is wrong.
You tell me winter's here and your days…
Are getting long.
Tears are in your eyes… tonight.
Aber wenn der JB sich umdreht, sieht er die blühenden gelben Tulpen unter dem Porträt von Rosa L. Der JB erinnert sich, dass er einmal eine Kohlmeise gezähmt hatte, die er auch Rosa gennant hatte, denn Rosa L. hatte in ihren Briefen aus dem Gefängnis diesen nun berühmten Satz geschrieben:
Damals brauchte der JB nur "piep-piep" zu sagen, und sofort kam Rosa um in seiner Hand Kuchenkrümel zu essen. Rosa war eine Feinschmeckerin. Sie bevorzugte den von dem JB gebackenen Omakuchen, als Semmelbrösel, die ihr langweilig waren.
Der JB und Rosa haben sich innig gemocht. Es war Juni und nicht Februar. Es gab Sonne und nicht Schnee. Rosa war einäugig und der JB schon damals kurzsichtig, aber sie hatten sich deutlich gesehen und erkannt. Sie waren beide zwei körperverletzten Kreaturen, die gelernt hatten auf sich aufzupassen und für sich das Gute auszusuchen, von daher der Omakuchen und dessen Krümel. Rosa hatte ihren rechten Auge verloren, und der JB sagte ihr, es sei nicht schlimm, denn was rechts ist, braucht man sowieso nicht. Das wusste sie aber schon, konnte sie mitteilen. Sie war klug, so sehr einäugig sie nun auch war.
Rosa war so klug und grosszügig, dass sie eine Freundin von ihr überredet hatte mitzukommen. Das war Klara. Aber Klara war schüchtern, kam nicht immer und behielt ihren Abstand. Ja, Rosa war so klug und grosszügig, dass sie regelmässig den lieben kleinen Freunden des JB geschrieben hat. Sie hat täglich elektronische Brieftauben geschickt, wo sie erzählte, wie glücklich und zufrieden sie war:
Es war also Juni 2011 & das Skafestival in Rosslau näherte sich. Der JB sollte dahin zusammen mit seinen kleinen lieben Freunden & Rosa sollte nichts besonders, ausser Omakuchenkrümel in der Hand des JB aufzupicken, in der Sonne vom Balkon des sozialistischen Palasts. Der JB ging, Rosa blieb. Der JB kam zurück, Rosa war weg. Der JB rief "piep-piep", Rosa kam nicht. Rosa kam nicht mehr wieder. Rosa war fortgeflogen, JB war gebrochen. Rosa war verschwunden, JB war hoffnungslos.
Die kleinen lieben Freunde des JB versuchten ihn zu trösten. A hatte eine Erklärung parat: weil Rosa behindert war, bekam sie einen obligatorischen Platz im Pionierlager. Als der JB den Zug nach Rosslau nahm, nahm Rosa den Bus zum Pionierlager. Ja, selbstverständlich! Aber konnte sie eines Tages nicht zurückkommen? Anscheinend nicht. Vielleicht hat sie sich verliebt. Vielleicht ist sie weiter in Fernenland geflogen. Vielleicht hat sie sich irgendwo festgesiedelt. Jetzt steht der JB vorm Fenster, schaut den Schneefall zu, raucht seine P&S und hört weiter Yo La Tengo.
I wanted to feel that way forever
And that's why
If you're looking at me I'll try
to be what you want to see
and if I'm, if I'm, ever that lucky
You won't have to be so, you won't have to be so sad.
You tell me summer's here,
And the time is wrong.
You tell me winter's here and your days…
Are getting long.
Tears are in your eyes… tonight.
Aber wenn der JB sich umdreht, sieht er die blühenden gelben Tulpen unter dem Porträt von Rosa L. Der JB erinnert sich, dass er einmal eine Kohlmeise gezähmt hatte, die er auch Rosa gennant hatte, denn Rosa L. hatte in ihren Briefen aus dem Gefängnis diesen nun berühmten Satz geschrieben:
Damals brauchte der JB nur "piep-piep" zu sagen, und sofort kam Rosa um in seiner Hand Kuchenkrümel zu essen. Rosa war eine Feinschmeckerin. Sie bevorzugte den von dem JB gebackenen Omakuchen, als Semmelbrösel, die ihr langweilig waren.
© icke
Der JB und Rosa haben sich innig gemocht. Es war Juni und nicht Februar. Es gab Sonne und nicht Schnee. Rosa war einäugig und der JB schon damals kurzsichtig, aber sie hatten sich deutlich gesehen und erkannt. Sie waren beide zwei körperverletzten Kreaturen, die gelernt hatten auf sich aufzupassen und für sich das Gute auszusuchen, von daher der Omakuchen und dessen Krümel. Rosa hatte ihren rechten Auge verloren, und der JB sagte ihr, es sei nicht schlimm, denn was rechts ist, braucht man sowieso nicht. Das wusste sie aber schon, konnte sie mitteilen. Sie war klug, so sehr einäugig sie nun auch war.
© icke
Rosa war so klug und grosszügig, dass sie eine Freundin von ihr überredet hatte mitzukommen. Das war Klara. Aber Klara war schüchtern, kam nicht immer und behielt ihren Abstand. Ja, Rosa war so klug und grosszügig, dass sie regelmässig den lieben kleinen Freunden des JB geschrieben hat. Sie hat täglich elektronische Brieftauben geschickt, wo sie erzählte, wie glücklich und zufrieden sie war:
Es war also Juni 2011 & das Skafestival in Rosslau näherte sich. Der JB sollte dahin zusammen mit seinen kleinen lieben Freunden & Rosa sollte nichts besonders, ausser Omakuchenkrümel in der Hand des JB aufzupicken, in der Sonne vom Balkon des sozialistischen Palasts. Der JB ging, Rosa blieb. Der JB kam zurück, Rosa war weg. Der JB rief "piep-piep", Rosa kam nicht. Rosa kam nicht mehr wieder. Rosa war fortgeflogen, JB war gebrochen. Rosa war verschwunden, JB war hoffnungslos.
Die kleinen lieben Freunde des JB versuchten ihn zu trösten. A hatte eine Erklärung parat: weil Rosa behindert war, bekam sie einen obligatorischen Platz im Pionierlager. Als der JB den Zug nach Rosslau nahm, nahm Rosa den Bus zum Pionierlager. Ja, selbstverständlich! Aber konnte sie eines Tages nicht zurückkommen? Anscheinend nicht. Vielleicht hat sie sich verliebt. Vielleicht ist sie weiter in Fernenland geflogen. Vielleicht hat sie sich irgendwo festgesiedelt. Jetzt steht der JB vorm Fenster, schaut den Schneefall zu, raucht seine P&S und hört weiter Yo La Tengo.
I wanted to feel that way forever
And that's why
If you're looking at me I'll try
to be what you want to see
and if I'm, if I'm, ever that lucky
You won't have to be so, you won't have to be so sad.
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