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mardi 19 février 2013

"You can bet your life"

Die Originalversion von The Ink Spots, anno 1941:



Die Rocksteady-Covversion von Derrick Harriott, anno 1968:
(Hier auch anzuhören, aber wegen GEMA gesperrt! grrr! also nur im Ausland.)





Und der JB erinnert sich ganz gut.
Neulich, bei einem Nighter, wurde das Lied aufgelegt. "Glups", sagte der JB in seinem "komplizierten Kopf" (© Dr D, der übrigens nich der Doctor Dick von Lee Perry ist!!!). "Jetzt aber weder weinen noch traurig sein."
Aber N. war neben ihm & dann ging alles wunderbra. Nur sagte der JB: "Dieser Satz ist furchtbar!"
Do I worry? You can bet your life that I do.

Und N. war mit dem JB ganz einverstanden. Er fand das auch.
Der JB sagte es sogar auf frantsösischö: "Cette phrase, elle est terrible." Also, furchtbar im direkten Sinne des Wortes:
1. durch seine Art, Gewalt o. Ä. sehr schlimm, bange Beklemmung erregend
Also schrecklich, schreckerregend: You can bet your life (that I do).
Der JB wiederholt:
Do I worry? You can bet your life that I do.

Dann lässt es sich natürlich fragen, ausgerechnet um die Uhrzeit (23:23, die perfekte Uhrzeit):
Is there panic, when it starts turning dark?
Nee, oder?
Und dann diese Frage noch:
And when evening shadows creep, do I lose any sleep over you?
Auch nich, oder?
Nö. Nö-nö.

samedi 26 janvier 2013

Sein schönstes Kleid

Und zu später Stunde gestern rotzte der JB, øøøh… pardon, trotze der JB die Kälte, den Hunger und die Wölfe um sich zum Nighter im Grünen Salon zu begeben. Die Strassen waren leer, die Nacht war schwarz, der Schnee knirschte unter seinen Stiefeln, der JB zitterte in seinem Galaanzug aber rutschte nicht auf dem Eis.
Er hatte gedacht: seitdem der Nighter im Grünen Salon ist, muss ich Ton in Ton sein, und seitdem ich zur Zeit Elling übersetze [Kjell Bjarne: Ich bin fast 40 und ich hab nie gefickt. Elling: Ficken wird grob überschätzt!], kann ich zweifach Ton in Ton sein und mich nach Ellings Art ankleiden. Wundervolle Idee! schrie er in seinem sozialistischen Palast.
Also hier damit mit dem gelben Polyamid-Rollkragenpulli, und hier damit mit der grünen Polyesterschlaghose. Also volldederonisiert betrachtete er sich im Spiegel an. Schmackhaft! Die Kleidung schmiegte sich eng an seine schlanke Statur an und passte perfekt zu seiner unsichtbaren Dauerwelle, mit anderen Worte: seiner Glatze. Diese distinguierte, hautenge Garderobe war irgendwie eine Fortsetzung seiner eigenen Haut.

Und so latschte er, von M gefolgt, Richtung eines anderen sozialistischen Palasts: der Volksbühne. Ein überschwänglicher JB, an diesem Abend wieder erfreut in der Hauptstadt leben zu dürfen, schenkte ihr und der ganzen Skinheadcommunity ein schönes und leider vergessenes Lied von Monika Herz, anno 1973 in der DähDähRrr, änderte dazu ein Paar Wörter und identifizierte sich völlig mit dem Objekt seines Gesangs und summte, unwissend von der Ohrfeige, der auf ihn im Grünen Salon wartete:
Ja, wir seh'n uns in Berlin. Nach Berlin geht uns're Reise.
Dieser Mann, zur Winterzeit, zeigt der Welt sein schönstes Kleid.



Als die Beiden das Ballhaus betraten, sahen sie sofort G & N & R — ein Paar Minuten später kamen F & AR & I (das Geburtstagskind der Woche). Tja, die skankige Clique war beinahe komplett (nur F #2 fehlte).

Der JB war schwer enttäuscht. Das muss gesagt werden.
Denn: man durfte nicht rauchen.
Der JB wollte sich gleich bescheweren. Er hat das auch gemacht. Als er am Tresen seinen Wehmut Wehrmut Wermut bestellte, fragte er die Barmaid und folgendes Gespräch fand statt:
Der JB: Darf man doch irgendwo rauchen?
Die Barmaid: Ja, draussen.
Der JB (pikiert, fast erstickend): Ein Raucherraum gibt's da nich?!
Die Barmaid: Nö.
Dieses unverschämtes Kind bekam kein Trinkgeld von dem JB, also.

Nach einer draussen gerochenen Zigarette, wo die unsichtbare Dauerwelle des JB völlig erfroren wieder hinein kam, änderte er die inhalierenden Massnahmen. G & N fanden als Ersten den Trick: vor der Haustür, also in der Wärme, rauchen. Schlau! Die zweite völlig illegale (oooh!) Manöver katapultierte den JB zum Klo, also auch zu der Schulzeit. Er benutzte die Gelegenheit nicht nur um zu rauchen, aber auch um sein kleines Geschäft zu machen (Wermut ist sehr diuretisch). Völlig multitaskingfähig gelang es dem JB gleichzeitig zu stehen & pinkeln & rauchen & plaudern mit B. Chapeau! Als Ökofaschist vergass der JB nicht seine mit Wasser gelöschte Kippe in die Müll zu schmeissen, statt sie nonchalant auf den Boden zu vergessen.
Die dritte Rauchfinesse brachte G & den JB auf die Treppe, ganz hoch im Haus. Die beiden sassen da, zufrieden mit sich selbst und dem Leben, wenn plötzlich, aus dem Nichts, kam die Schwester des unverschämten Kindes. "Es ist also verboten, blah blah blah." Der JB antworte kurz und klar: "Ja." Am Ende haben alle im Grünen Salon ungestört geraucht. Basta!
[18.29: M möchte betonen: "Es fehlt unsere zivile Ungehorsamszigarette auf der Couch." Stimmt! Gut gesehen!]

Und dann passierte es.
Panza hatte gerade Carlton & The Shoes aufgelegt und der JB war völlig im Blüten. Hüpfend mit AR auf der Tanzfläche, sagte er:
Carlton & The Shoes sind total unterwertet!
AR teilte seine Meinung.



Und während Cartlon Manning also ein bisschen wermütig wehmütig über "to live in righteousness" sang, wurde der JB Opfer der gröbsten unrighteousness. Eine Frau hat ihm nämlich die Schlau gestohlen. Volldederonisiert wie er war, glaubte der JB, er wäre die Kleidungstopstar des Nighter. Aber nein. Eine Frau betrat diese Tanzfläche mit einem hellbraunen Maxirock. Krass! Der JB war volleifersüchtig. Denn das war nicht irgendeinen Maxirock. Sondern ein Maxirock aus bure.
Was ist bure?
Tja.
Anscheinend existiert das Wort auf Deutsch nicht. Das Pons-Wörterbuch teilt mit:


Aber ein genaues Wort ist nicht zu finden. Auf der frantsösischön Wikipédia-Seite für bure gibt es keine entsprechende deutsche Seite. Auf Englisch hiesse es frieze und auf Bretonisch burell. Okay… Das macht mir einen schonen Bein, wie man auf frantsösischö sagt = was nützt mir das schon! Und wenn man zurück in die Zeit forscht bringt das Dictionnaire encyclopédique français-allemand et allemand-français (1883) von Charles Sachs auch keine andere Antwort:


Tatsächlich findet der JB was. In dem Dictionnaire des langues française et allemande (1839) von einem gewissenen Herrn Henschel:


Burre??? Nie gehört. Das scheint auch der Fall für den Duden zu sein:


Nee, das meinte der JB eben nicht. Weil das Wort barre in seiner Geburtssprache eine gaaanz andere Bedeutung hat!

Aber die Brüder Grimm wissen Bescheid:


Oh, Mann! Das ist ist nicht zu verstehen. Obwohl Cora Frost sagt, "man muss ja alles nicht verstehen", verbleibt das sehr kryptisch. Wo auf frantsösichö kennt jede(r) die bure, oder toile de bure. Also die Burre ist zwar ein "grober Wollenstoff", immer braun, die ein bisschen ähnlich wie den Jutestoff oder den Kartoffelsack ist. Es ist hauptsächlich für und von katholischen Mönchen verwendet und sieht so aus, zum Beispiel wenn Franz von Assisi sie tragt in dieser Gemälde von Francisco Zurbarán (1645):


Aber eine zeitgenössische Verwendung der Barre Burre ist auch möglich. Zum Beispiel von diesen jubelnden belgischen (!) Mönchen (und man beachte die Niethosen (wie man damals in der DähDähRrr sagte), also die Jeans unter dem Kleid — die Bibel hat ja gesagt, man dürfe Niethosen tragen (wenn sie in die göttliche Zukunft erfunden worden sind)):


Tja, auch in der Kirche hat man fun!

Aber zurück zu der Erzfeindin des JB, die ihm die Schlau des Nighter gestohlen hat mit ihrem hellbraunen Maxirock aus Burre, ein Stoff, der an einen Kartoffelsack leicht erinnert. Todschick war der. Und grünneidisch war der JB. Denn dieser Maxirock hatte auch was von dem Godetrock. Also ein Godetrock, erklärt Wikipedia für uns:
hat im unteren Teil eingefügte keilförmige Stoffteile ("Godets") und entsprechend geschnittene nach unten weiter werdende Bahnen, so dass der Rock oben schmal ist und erst im unteren Drittel Falten wirft.
Schöoon! So sieht es aus:


Okay, hier ist es zwar a bisserl übetrieben. Denn der hellbraune Godetmaxirock aus Burre, den diese Frau trug, hatte nur wenige Falten. Aber, die Krönung, die Falten haben siech sich nicht bewegt, wenn sie getanzt hat! Krass und doppelkrass! Sie tanzte, drehte sich, der Rock bewegte sich, aber die Falten blieben steif. Nicht zu glauben! Was für eine Kleidungsohrfeige, den der JB bekam!
Der JB hat es ganz genau studiert. Es gibt nur eine Erklärung dafür: die Falten wurden im Voraus beim Bügeln gestärkt. Wie hypraschlau von ihr!
Verstehen endlich die kleinen lieben Freunde des JB, warum er so enttäuscht war? Er hatte ja gar nicht an den hellbraunen mit gestärkten Falten Burrengodetmaxirock für seine eigene Nutzung und Ankleidung gedacht. Und er möchte so gerne einen. So könnte er in seinem sozialistischen Palast besser arbeiten, besser denken, einfach besser sich selbst sein. Und wiederum wären Renate und Angélique auch eifersüchtig. Das wäre eine schöne Rache!
Seufz…


Ein bisschen später legte Panza dieses Lied auf:



Der JB musste wieder vor sich hin seufzen. Was für ein schönes Lied. Zu schön. Der JB, dieses kleines Ding ohne hellbraunen mit Falten gestärkten Burrengodetmaxirock, verträgt nicht so viel Schönheit. Und nicht nur schön ist die Coverversion der Gaylads, die ist auch so traurig, so wehmütig — eigentlich wie das Original von Simon & Garfunkel. Es sollte verboten sein, so viel traurige Schönheit (ein Pleonasmus) bei einem Nighter aufzulegen. Die Gaylads singen die erste Strophe nicht, und hiermit beschränken sich auf das Umgehen mit anderen Menschen: wie man sich plötzlich fremd in einer Masse fühlt, allein und verlassen. Oh nee… Aber diese erste Strophe ist bluterfrierend, jedenfalls für den JB, dieses kleines Ding ohne hellbraunen mit gestärkten Falten Burrengodetmaxirock:
Hello darkness my old friend
I've come to talk with you again
Because a vision softly creeping
Left its seeds while I was sleeping
And the vision that was planted in my brain
Still remains
Within the sound of silence

Und der JB erinnert sich.
Es war in einem anderen Nighter, vor circa einem Monat. Im Schreina. Er war auf der Tanzfläche, mit I (das Geburtstagskind der Woche), Sounds of Silence wurde da auch aufgelegt, und er sagte I: "The Graduate. Mit Dustin Hoffman und Anne Bancroft."
Denn er erinnerte sich auch auf die Schlussszene. Nachdem Benjamin Braddock (Dustin Hoffman) Elaine Robinson (Katharine Ross) entführt hat. Sie sitzen in dem Bus, der die Stadt verlässt, ganz hinten. Und dann fängt das Lied an. Sie reden nicht mehr. Auch sie erinnern sich. Sie sind zusammen, aber trotzdem alleine:

 

Seufz wieder… Zu viel traurige Schönheit.

Und eigentlich ist das Original schön genug um auf dem tätowierten rauchenden Blog zu stehen.



Tschö-öh!

samedi 19 janvier 2013

In einem anderen Leben hiess der JB Angélique

Es ist kalt in Berlin. Sehr kalt. So kalt, ass der JB das Gefühl hatte, als er zurück vom Markt radelte, dass seine Rotze am erfrieren war.

Jemand: (…)
Der JB: Was?
Jemand: (…)
Der JB: Sorry, ich habe akustisch nicht verstanden. Mein Hörgerät ging gestern kaputt.
Jemand: (…) !!!
Der JB: Na, aber natürlich rede ich von meiner Nase! Was sonst?

Naja, der JB kann nichts dafür: er hat eine chronische Nasengangrän, wegen der derentwegen seine Nase, der frischen Luft ausgesetzt, (zu) leicht tropft. Es ist nur Nasenwasser, aber immerhin. Deshalb begeht sich der JB nie mit jemandem draussen, denn es ist ein bisschen peinlich vor einer mitgehenden Person eine Rotznase zu haben. Deshalb also sitzt (oder steht, oder liegt) der JB Tag ein und Tag aus zu Hause in seinem sozialistischen Palast und hört Musik. Und heute hört er das:



Toll! Einfach klasse! Der JB liebt dieses Lied, das er seit deren Eintragung in iTunes am 8.04.2011 schon 191 Male gehört hat. Der JB identifiziert sich total in die Songtexte, in Angeliques Geschichte & Gefühle. Der JB denkt: es geht mich ähnlich mit T:
He's leaving me for another girl
All I can say is: he's ruining my world
And all I can do is sit here and cry

Cry wurde in 1978 herausgegeben. Von Dennis Bovell produziert. Der ist in Barbados geboren und wanderte in 1965 mit seinem Vater nach London aus. Er ist der "Macher" (= the shaper) von Lover's rock. Man kann hier einen spannenden Artikel über diese Zeit lesen.
Cassounet, der das Video auf durohr eingetragen hat, sagt die Musik von The 4th Street Orchestra gespielt wird, aber nichts über Angelique. Wer ist sie? Keiner weiss, keiner scheint es wissen zu wollen, den Meisten ist es egal. Dem JB aber nicht, der noch einmal gegen den Sexismus in Reggae schimpfen muss. Noch wieder eine Frau, die verunsichbart worden ist (wie die Norweger sagen). Und nun muss der JB seufzen und wiederholen:
And all I can do is sit here and cry

Sonst kennt der JB eine Angelique. Mit É. Also Angélique. Sie:


Ah, Angélique… Die "Marquise der Engeln"… Seufz… (Nein! nicht die Markise!!!) Hier liegt sie also, nackt (selbstverständlich), mit Jeoffrey. Als Kind fand der JB den Jeoffrey superattraktiv & hätte den gern geheiratet. Naja. Jeoffrey war nicht so okay, obwohl es reimt. Denn er trug die unangenehmen Zufälle des Lebens (mild gesagt!) im Gesicht. Und das, mehrere Jahrhunderte vor dem Mackie Messer mit seinen Zähnen. Hier:


Hiii! Arme arme arme Jeoffrey… Und nicht nur das, aber er hinkt auf dem linken Bein. Pfui… Nein, das Leben ist nicht einfach. Selbst wenn man ein Adelige ist und Geld hat. Aber sonst war er fit im Schritt. Deshalb auch hat ja die Angélique ihn geliebt, nachdem sie ihn gehasst hat (so geht es ja immer). Hier hat man die erste Bettszene, wo Angélique sich erstmal wehrt. Aber dann… Tja, dann… wehrt sie sich nicht mehr.


Ah, diese Angélique…!
Denn Angélique, jetzt der Film (1964), war DER Softporno überhaupt in Frongraischs 60er-Jahre. Es wird nackt rumgegangen und rumgelogen rumgelegen und rumgesessen. Es wird nicht immer nackt GV-isiert, aber es wird extrem viel gevögelt. Hier noch eine widerliche Bettszene (wie man damals in der DöDöRrr über Parteiuntreue Genossen geredet hat). Man merke aber die Hauptrolle, die in der Szene von der Gardine gespielt wird:


Es gibt so viele Gründe, die erklären, warum der JB von Angélique fasziniert war. Die Zukunft hat nämlich gezeigt, dass er ein bisschen wie sie ist — wenn man die Haare auslässt. Denn, genauso wie er, braucht sie Riechsalz, nachdem sie schöne Männer gesehen hat:


Die kleinen lieben Freunde des JB können sich die Szene vorstellen. JB und G sind vom Nighter verschwunden. Aha. Was ist passiert? Na, einfach. Genau wie da oben: der JB liegt ohnmächtig (mit Perücke und Kleid) nachdem er T gesehen hat, & G reicht die Hand, die den Riechsalz hält, damit der JB wieder zu Bewusstsein kommt. Schwiiierig. Denn der JB hat auch genau das gleiche Leben wie Angélique.

Angélique sehnt sich viel:

Angélique weint viel:

Angélique schreit viel:

Angélique ist (wie gesagt) viel nackt:

Und das alles findet der JB prima. Das ist eine gute Lebenseinstellung um den Alltag zu bewältigen. Das macht einem/r optimistisch und nein pessimisstuhl. Er selbst kennt das ein und aus von seinem Leben in dem sozialistischen Palast.

Aber Angélique zu mögen, sich in Angélique zu identifizieren, ist leicht. Der Anfangstrailer hat uns davon schon gewarnt:


Es gibt keine Frau in dieser Welt, die nicht davon geträumt hat, Angélique zu sein…
Es gibt keinen Mann in dieser Welt, der nicht von Angélique geträumt hat…
JB macht eine leichte Korrektur:
Es gibt keinen Mann in dieser Welt, der nicht davon geträumt hat, Angélique zu sein…
Es gibt keine Frau in dieser Welt, die nicht von Angélique geträumt hat…

Aber es gibt auch DIE Lieblingsszene von dem JB. Als er die als Kind gesehen hat, wurde er fasziniert, paralysiert, magnetisiert! Das ist aber eine krasse Szene, boah… Die spielt sich in Angéliques Appartement.

Angéliques Dienstmädchen, Thérésa, vorbereitet das Nachtkleid…

Sie will es anfassen! Was für eine Flasche, diese Thérésa!

Oh nein, bin ich blöd! denkt sie.
Das Kleid ist ja mit Arsen vollbeschmiert worden!!!

Pfiffig wie sie ist, nimmt sie zwei Platanenblätter,
die gaaanz zufälligerweise da rumliegen und sich langweilen.

Dann trägt sie das vergiftete Nachtkleid zum Bett… Boah, krass, ey…

Aber jemand kommt! Das ist sicher Angélique! Schnell, wegrennen…

Oh neee… Was für eine Volltrottelin, diese Thérésa!
Sie hat ein arsenvolles Blatt verloren!
Liebe Freunde der Natur, es tut dem JB Leid, aber das Blatt ist tot.

Angélique kommt zurück.
Sie ahnt noch nicht, dass sie in wenigen Minuten verarsent wird und sterben soll.
Mist und Doppelmist!

Arme Angélique ist, wie so oft, unglücklich…
Sie hat ja viele Sorgen in dem ganzen Leben.

Aber Angélique ist megaschlau! Sie hat den Blatt entdeckt!

Sie ruft Thérésa. Aber wieder megaschlau, wie sie ist,
konfrontiert sie Thérésa mit dem Blatt gar nicht. Héhé…

Nachdem Thérésa Angélique von ihrem Abendkleid ausgezogen hat,
(nein, das ist keine lesbische weder Liebes- noch Bettszene!)
greift Angélique das Tischtuch, das sonst nach dem Sinn des Lebens sucht.

Angélique nutzt es um das giftige Kleid rühren zu können ohne selbst sterben zu müssen.
Noch wieder hypraschlau!

Und dann fängt die Lieblingsszene des JB richtig an:
Angélique peitscht Thérésa mit dem arsenbeschmierten Nachtkleid!

Jau, Volltreffer, Angélique Marquise der Engeln!

Und das auch!
Peitsch, peitsch, peitsch!

Und das auch noch!
Arme Thérésa. Denn… Arsen tut a bisserl weh.

"Nimm das, du Nutte!" sagt Angélique im Ernst.

"Und das kriegst du auch, du Hure!"

Tja, Thérésa sieht nicht gut aus…

Thérésa ist sehr unschön, so verarsent.
Angélique muss kurz vor Schreck schreien.

Thérésa stirbt langsam…

… und langsam…

… und langsam.
What a beautiful agony!

Fertsch!
Und tschüss, Thérésa!

Wenn die kleinen lieben Freunde des JB die Szene real sehen wollen, läuft es hier unten und fängt so circa um 1h13m25s. Umso besser: es ist auf Russisch synchronisiert! Genial denn strenger! Ah ja, der JB hat vergessen: das ist in dem Fülm #3 über Angélique: Angélique und der König, von 1966:



Das war also Angélique.
Aber der JB möchte bitte schön zurück zu der anderen Angelique, die ohne É, und deren Satz:
And all I can do is sit here and cry

Denn der JB erinnert sich, dass dieser englische Verb, to cry, ist nicht nur aus dem frantsösischö crier (= schreien) entlehnt, und das genau im frühen 14. Jahrhundert, teilt etymonline mit, aber peu à peu den uralten pangermanischen Verb to weep ersetzt hat. Im Alten- und Mittelenglisch hat man nämlich to weep benutzt. Francis Henry Stratmann, in seinem Dictionary of the Old English Language von 1878 zeigt es uns:


Aber zwischen der Kruste (= crust) und der Kuh (= cû < cow) gibt es kein kraj (= cry). Pech für die heterosexuellen mittelalterlichen englischen Skinheads von damals: No woman, no cry. Oder andersrum: No cry und sowieso no woman. Die homosexuellen mittelalterlichen englischen Skinheads haben sich gefreut.


So ist es mittlerweile nicht passiert. Das heisst: to cry hat sich nicht zu to weep substituiert. Beide Verben haben ihre eigene Bedeutung bekommen. Der ursprüngliche wepan hat das Weinen bezeichnet, wo der frantsösischö crier für das Heulen charakterisiert hat. Besser: weeping hat man silently, also leise, und crying audibly, also hörbar, gemacht. In seinem 1794 Buch The distinction between words esteemed synonymous in the English language erklärt uns John Tusler den Unterschied:


Der letzte Satz, behauptend dass Kinder eher heulen und Erwachsenen aber lieber und bitte schön weinen würden, ist nur ein Standpunkt. Das möchte der JB betonen. Nehmen wir Angélique, zum Beispiel: sie hat immer geheult, also cried. Nur hat sie geweint, also wept, wenn sie Sexkummer hatte. Ausgerechnet das versteht der JB ganz gut.

Aber zurück zu John. Denn sein Buch wurde in 1803 beinahe kopiert (oooh!) und als English synonymous bennant — und auch köstlich erweitert:


Ist das nicht schön?
Es ist nicht der Lärm, den wir machen, der einen grösseren oder kleineren Mass von Trauer bezeichnet; denn der heimliche Weiner könnte mehr verzweifelt sein als der, der laut heult.
Und es gibt noch besseres!
Vom Erlebnis her wurde das Heulen so empfunden, dass es zur grösseren Entlastung von Betrübnis bringt.


Der JB sagt einfach: wunderbra!
Es ist ein Trost für uns alle. Egal, ob wir weinen oder heulen; egal ob laut oder leise, egal ob alleine oder mit Anderen, Tränen vergiessen ist gut und lindert.

Eins ist dennoch sicher: heutzutage wird man generell eher to cry als to weep benutzen. Also, im diesen Sinne hat to cry to weep ersetzt. To cry ist im modernen Englisch genauso alltäglich wie to weep im Alt- und Mittelenglisch es war. Wenn man aber in den feinen Nuancen der Verben gehen will, gelten die damaligen Unterschiede immer noch, wie das Merriam Webster's Dictionary of Synonyms von 1984 es betont:


Aber in seiner Suche hat der JB was ganz kurioses gefunden. Etwas, dass selbst Angélique gern sehen und lesen würde, ausgerechnet in ihrem Softporno: die englische pornographische Version der… Bibel! Doch! Das ist auf Scots geschrieben, also eine Sprache nah dem Englischen, die in Schottland geredet ist. Denn dort sagt man weder to cry noch to weep, sondern to greet. Und das würde man auch in Nordirland machen, hat der JB gelesen. Vielleicht N greets auch manchmal… Jedenfalls steht der Text rechts auf Mittelenglisch, und der links auf Scots:


"After the cock crows" — Boah! Vollporno, ey! Denn, soweit der JB weiss, bedeutet cock nämlich:

Also die richtige Übersetzung ist:
Wenn dein Puller schreist, wirst du mich verleugnen —
[zwischen den Zeilen: weil der zu einem Anderen geht!]
und dann ging er [zu ihm —Wort fehlt] und grüsste und empfing [ihn — Wort fehlt hier auch].
[zwischen den Zeilen: der Zweite hat sich überlegt, genau wie Angélique mit Jeoffrey, und hat letztendlich gedacht: ach, es lohnt sich doch mit ihm.]

Doch, DAS ist die richtige Übersetzung, denn das Pons Wörterbuch erklärt nämlich:


Oooh! Die Bibel würde dann in Schottland die ganze Zeit über Penisse und Phallusse Phalli* reden? Und der JB hat davon nie Bescheid gewusst?! Das ist aber Murks und Tricks und Betrug!
* = doch, Phallus wird anscheinend Phalli im Plural auf Deutsch — auch das ist dem JB ein Rätsel!!! Oh, Mann! Der JB erfährt gerade, dass man auch der Anus - die Ani sagt! Es muss ein Scherz sein… Sagt wirklich ein Proktologe zu seinem Freund der Hautarzt: "Du, ich habe heute dreissig Ani untersucht, ich kann nicht mehr." Nein, oder…? Aber man sagt der Lapsus - die Lapsus und der Virus - die Viren. Deswegen macht der JB so viele Fehler auf Deutsch!!! Und wieso bitte schön heisst es das Kartoffelmus - die Kartoffelmuse? Und nicht nur das, nun hätte der Kapitalismus kein Plural! Das ist dem JB also neu!! Marx sei Dank ist der JB überhaupt kein Partisan des Kritizismus.

Aber zurück der perversen schottischen Bibel. Falls der JB nicht Bescheid wusste, hat schon Shakespeare das alles studiert. Doch! Der! Englands grösste Theaterautor! In A Dictionary of Sexual Language and Imagery in Shakespearean and Stuart Literature von Gordon Williams (1994) liest der JB die genaue Bedeutung von das Wort tear, also Träne:


Und unserer alter guter to weep ist auch dabei… Der JB kann es gar nicht fassen!


Selbst Susan Sontag († RIP) hat das benutzt, und der JB hat es nie gewusst. Wenn es so ist, nimmt der JB erstmal Angéliques arsenbeschmiertes Nachtkleid und geht einige bösen Personen peitschen. Und dann wird er Angeliques Lied wieder hören und weinend mitsingen:
And all I can do is sit here and cry