mardi 15 janvier 2013

Die plagende Palatalasierung (und der Riechsalz!)

Der JB kann es nicht mehr aushalten.
Jeden Abend, jeden verfl****** Abend, jeden verd****** Abend, während der JB sonst fröhlich und frohsinnig die Glotze anschalte um den Tagesschau nicht zu verpassen, muss er diese Werbung auf sich nehmen. Diese Werbung für Pauschalreisenden. Und der JB redet nicht von Frau Georgette (Dee), wenn sie sich in Alles von mir "die Neckermannpauschalreisende" nennt. Denn das wäre in Ordnung. Das wäre sogar schön, wunderbar, einfach genial.
Nee. Er redet hier von den zukünftigen Alltourspauschalreisenden, deren Visage man anscheinend unbedingt zeigen muss. Die Werbung an sich ist nicht sooo irritierend. Denn das auch wäre in Ordnung. Nee, die Stimme des Mädchens ist suuupernervend, megabelästigend, hyperplagend.
Lass uns die hören:



Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaah!
Der JB wird wahnsinnig!

Haben die lieben kleinen Freunde des JB es auch gehört?
Nee? Doch!
Wie sie Alltours sagt.
Denn sie sagt nicht Alltours, also phonetisch [alturs], sondern eine unverdauliche Mischung zwischen altous [altus], altuch [altuç] und altourch [alturç]. Also nicht wie der ch-Laut in Tuch ausgesprochen, sondern wie in Mädchen. Altuch.
Och, skrekk og gru! wie die Norweger sagen. Also Schreck und Grauen!
Warum redet sie so? Warum wurde sie überhaupt für die Werbung genommen?? Was ist los???

Aber sie ist nicht die einzige!
Es gibt noch schlimmeres. Es gibt tatsächlich noch übleres!
Sie:


Na-nein, nicht die, die links sitzt und böse guckt. Denn man versteht ganz gut, warum sie ihre Schulnachbarin grimmig anschaut. Sondern die, die rechts neben ihr thront. Schon deren Ansehen ist Schuld daran, dass der JB zwei Dioptrien in beiden Augen verloren hat. Aber wäre es nur das… Nein! Bevor der JB Dioptrien verlor, wurde bei ihm das Hören beschädigt. Denn ihre Stimme ist unerträglich, unausstehlich, einfach unhörbar.



Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaah!
Der JB wird wieder wahnsinnig!

Haben die lieben kleinen Freunde des JB es gehört? Ja?
Wie die Michelle (ma belle) also und sozusagen ausspricht?
Sie sagt nicht [ˈalzo] sondern [ˈaçzo] = achso, und nicht [ˌzoːʦuˈzaːɡŋ̩] sondern [ˌçzoːʦuˈçzaːɡŋ̩] = chsozuchsagen.

Und der JB erinnert sich ganz gut. Das war den 17 April 2011. Während des Tatorts.
Der JB wiederholt: W-ä-h-r-e-n-d d-e-s T-A-T-O-R-T-s!!!
Er schickte G sofort eine SMS. Diese wurde um 20:18:52 katapultiert (der JB hat die immer noch in seinem Handy - im Ernst!). Drin stand:
Oh nein! Nicht sie wieder mit ihrer quietschenden Stimme… Ich hoffe, sie wird gleich ermordet!
Und keine Minute später, das war sogar gleichzeitig, empfing der JB von G, genau um 20:22:00 folgende SMS (der JB hat die auch immer noch in seinem Handy - und das auch ist ganz im Ernst!):
Oh nee, dieses quäkende Mädchen wieder!

Oj, was für eine Störung das war! Was für einen Ohrlast!
Denn das war NICH irgendwelchen Tatort!
Das war der Tatort mit Ulrike! (Schnell, JB braucht seinen Riechsalz!)
Sogar mit Christian Redl!!! (Schnell, JB braucht 1 kg Riechsalz!)

 © SWR

Und Michelle hat drin gespielt! Schreck und Grauen!!
Selbst Ulrike wollte, konnte das gar nicht glauben:


Arme Ulrike! Arme schöne, wundervolle, grandiose Ulrike!
Und nicht nur das. Aber sie sollte mit ihr reden!



Ach, die Stimme von Ulrike… Seufz…
Und die Stimme von der Michelle!
Sie sagt nicht Hasan [hasan], sondern Hachan [haçan]. Sie sagt nicht Ich soll nicht mit euch reden, sondern Ich choll nicht mit euch reden.
Ewiger Schreck und Grauen!
Wie hat Ulrike es ausgehalten ohne am Ende ein Hörgerät tragen zu müssen? Es ist dem JB ein Rätsel. Hier sieht man auch das Ulrike ganz auf Distanz bleibt:



Was ist los? Warum reden die beiden Mädchen so komisch??
Einige Biodeutschen reden und labbern und schimpfen gegen einige Ausländer (u.a. den JB — aber er sei "ein Edelmigrant", hat er einmal gehört!!! doch, und das auch ist ganz ganz im Ernst), die nicht den "ch"-Laut aussprechen könnten, aber soweit der JB hört, können selbst einige Biodeutsche den [s]-Laut aussprechen können! Tss…

Also warum? Weshalb? Wieso?
Tja, liebe kleine liebe Freunde. Wir sind alle Zeugen einer Palatalisierung des alveolaren Frikativs.
Der JB wiederholt für seine kleinen lieben Freunde: eine Palatalisierung des alveolaren Frikativs.
Der JB möchten betonen, dass ein Frikativ nichts mit der Frikadelle zu tun hat!

Und jetzt ein bisschen Phonologie. Also ein bisschen Lautlehre.
Um nicht nur Worte aber Vokabeln und Konsonanten aussprechen zu können benutzt der Mensch jede Menge Regionen des Mundes: die Lippen, die Zunge, die Kehle, die Gaumen — oder sogar die Nase, wie die frantsösichen Laute [ã] in Restaurant, [õ] in Jargon oder [ɛ̃ ] in… zum Beispiel sein = Brust. Jede Buchstabe wird präzis dank eines dieser Teile hergestellt.
Gut.
In dem Wort frikativ erkennen wir einen anderen Wort: Friktion, also Reibung. Frikativ wird auch Reibelaut genannt. Das heisst, dass zwei Organen des Mundes sich reiben (bitte! nicht lachen! das ist jetzt die Linguistik-, nicht die Biologiestunde!) um die Buchstabe zu produzieren. Es gibt eine jede Menge Frikativkonsonanten, unter anderen das S [s], den "sch"-Laut [ʃ] wie in deutsch und auch den "ch"-Laut [ç] wie in weich.
Je nach Ort im Mund, wo die Buchstabe produziert wird, trägt dieser Frikativ einen weiteren Namen:
• der sogenannte "stimmlose alveolare" für das [s]: mit der Zungenspitze gegen die Alveolen (= Zahndamm). Ihr könnt es ruhig zu Hause als Übung machen, niemand sieht euch, ihr braucht euch nicht davon zu schämen! Dank Wikipédia können wir sogar den Laut hören:

• der sogenannte "stimmlose postalveolare" für das [ʃ]: stets mit der Zungenspitze, aber diesmal in der Region zwischen den Alveolen und der Gaumen. Hier auch der Laut:

• der sogenannte "stimmlose palatale" für das [ç]: diesmal ist es kompliziert, denn der Rücken der Zunge, also das hintere Teil, liegt sich flach auf der Gaumen (= palatium auf Lateinisch, von daher palatal). Probiert es auch zu Hause und konzentriert euch auf die Bewegungen (immer an die Bewegungen denken! auch in der Linguistik).

Hier hat der JB eine schöne Darstellung gefunden, damit seine lieben kleinen Freunde besser verstehen können:


Hier sieht man ganz genau, sogar perfekt, dass die drei Konsonanten sich auf dem selben Niveau befinden. Wenn man sich von den Lippen (= bilabial, von dem lateinischen labia = Lippe) bis in die Stimmritze (= glottal, von dem lateinischen glotta = Stimmritze) bewegt, findet man unsere drei schönen Konsonanten [s], [ʃ] und [ç], die so unschön bei den zwei Mädchen ertönen.
Was also bei ihnen passiert ist, dass diese [s]-Laute werden auf dem falschen Ort ausgesprochen, also mit dem Gaumen, sie sind nicht mehr alveolar sondern palatal. Deshalb die Palatalisierung des alveolaren Frikativs.

Lass uns das hören, wie das genau passiert. Wieder mit der Michelle da. Das ist genau die Szene, wo sie den Hachan Hasan trifft. Ja, der Hasan, von dem sie Ulrike (seufz und doppelseufz) erzählt hat. Ja, der Hasan, der kein Fehler in seiner Aussprache des Deutschen macht (ha!):



Na, gehört?
Ah lach mich wach willchst du?
Nein, weder lach mich aus (obwohl…), noch lach mich wach (auf keinen Fall!!!), sondern [laç miç / vaç vilst d'u].

Und der Hasan ist ganz ganz ganz böse zu ihr. Natürlich der genauso böse böse böse JB (und G mit ihm!) freut sich darauf:


Jau, gut getan!!!


Aber es gibt auch jemand, der so redet. Der die Konsonanten verwechselt, aber diesmal nicht die Alveolare, sondern die Postalveolare. Fast alle [sch]-Laute werden zu [ch]-Laute. Und dieser, denn es ist ein Mann, ist Deutchlands Wirtchaftsminister. Ja, der Philipp Röchler.
Der JB hat eine Rede von ihm in sieben laaangen, unendlichen Minuten gehört und alle Palatalisierungen gejagt. Dann hat er sie zusammengeklebt. Viel Chpass beim hören!






18.01.2012:
Der JB hat eine wunderchöne Bechreibung der Art und Weise des ch-Lauts richtich auszuchprechen, und was dann im Mund pachiert. Wenn man es liecht, ist es dann suuupereinfach:


2 commentaires:

Anonyme a dit…

Hi JB, oh sorry Renate!
Es gibt da ein ganz bestimmtes Wort, welches bei mir Tinnitus auslöst.
„Milch“ Das leckere Kuh-Gebräu wird auch ganz gerne mal falsch ausgesprochen.
Varianten wie: Mielsch, Miltsch oder auch Mültsch, sind immer wieder gern gehört aber so, wird nie ein Cacao daraus.
So, bin dann fast mit Deinem Blog durch und ich hoffe, dass es noch einiges (vieles) zu lesen gibt bzw. dazu kommt.
Aha- Effekte (oh, hatte ich nicht gewusst) und Tränchen lachen.

Der JB a dit…

Mülsch trünk üsch jeden Morgen. Es sei gut für meine Babyknochen.

Sonst danke für die Blumen. Üsch geb mür Müh.