dimanche 11 avril 2010

Wer prügelt wen?

Achtung, Achtung! Potenz(-)ielle Wichsvorlage…
Schon mochte man den Herrn Jürgen Vogel ziemlich gerne. Wenn nicht seeehr gerne. Aber wenn er noch dazu so wie im Film auftaucht, volltätowiert, mit Glatze und als Skinhead, naja… man wird a bisserl weich, wa?
G? Biste hier, Schatz? Wollen wir dahin?
Der Film wurde sogar in Halle und Errrfurrrd jedreht!
Kiek ma hier:



Warum aber, noch wieder, müssen die Skinheads die bösen & blöden Faschos sein? Mann, ey… (Übrigens: bösen + blöden + Faschos = Pleonasmus.)
Dann fängt man sofort an den Megahyperklassiker aller Skinheadlieder anzusingen:
"Oh whyyyy… ? Oh whyyy…? Skinhead a bash them…"



Ich fand dieses Lied, von der mysteriösen Claudette & The Corporation, immer faszinierend. Ein Lied für Skinheads, über Skinheads, gegen Skinheads. Wie bitte nochmals?
In 1969 von Trojan Records produziert, ist Skinhead A Bash Them meiner Meinung nach die englische, moderne Variante der ganz vielen jamaikanischen Lieder, ein Paar fünf Jahren vorher, über die sogenannten rude boys oder rudies, also die jungen Kriminellen von Kingston, die nichts hatten, nichts fanden (Arbeit, Geld) und von daher alles randalierten. Trojan Records hat einen ganzen (guten) Sampler mit Lieder darübr herausgegeben - kann man nur empfehlen. Denn das Lied geht um die xenophoben Skinheads, die "paki", also die Pakistanern prügeln (= bash), also die bösen unter uns.
Das Lied ist ungemocht bei vielen Skinheads, weil es ein schlechtes Bild von den Skinheads bringen würde. Vielen meinen sogar, das Lied hätte nicht bei den Trojan Skinhead Reggae-Sampler stehen sollen. Man kann hier, in einem Forum von Tradiskinheads, ein ganz interessantes Gespräch darüber lesen.

Und das alles erweckt bei mir zwei Kommentare - ich als Übersetzer und schwuler Skinhead, der also eine Leidenschaft für die lex cerebri & lex linguae hat.
1) Was ich interessant finde, ist noch einmal wie Schwulen und Skinheads was zusammen teilen. Darüber habe ich seit Monaaaten geschrieben und es ging über den Stolz, die beide Gruppen eben fühlen und von welcher sie sich reklamieren. Man lese hier. Es geht diesmal nämlich um die Wiederaneignung eines Schimpfwortes um sich nicht nur zu bezeichnen aber auch zu benennen. Die Worte schwul sowie rude boy (und später skinhead) sind kategorisierend, exkludierend, negativ geladen, sind Schimpfworte für die Leute, die sie karakterisieren. Dennoch werden sie von den zubeschimpften Leuten benutzt, positiv geladen - um wiederum Stolz zu zeigen.
2) Die Skinheads, die das Lied nicht mögen, weil es ein schlechtes Bild von den gesamten Skinheads zeigt, erinnert mich an einige Schwulen, die selbst Anderen von den Schwulen nicht mögen - denn diese seien, jenachdem, zu schrill, zu exhibitionnistisch, zu dies oder zu das. Beide Subgruppen, die sich von den Anderen beleidigt fühlen, wollen vorbildlich erscheinen, wollen exemplarisch gegenüber die Bevölkerung erscheinen - haben, ja, beinahe ein Vorbildskomplex.

Nichts neues unter der Sonne. Die sogenannten Randgruppen (egal, ob sie das gewählt haben oder nicht) schwanken immer zwischen einem entweder impliziten Wille zu Anerkennung oder expliziten Weigerung dieser gesellschaftlichen Anerkennung.
Dann kann man sich letztendlich fragen, zurück zu Claudette & The Corporation kehrend: wer bash wen? Manchmal ist man ja sein bester Feind.

2 commentaires:

ktmskin a dit…

ja. genau.

du bist so klug!

JB a dit…

Ach, Quatsch!

Übrigens, nicht vergessen und sofort deinen Abend reservieren und nicht anderswo fummeln gehen, denn es ist ein Freitag - und nämlich:
Am14.05.2010. Bluekilla kommt nach Berlin wieder, in der Kulturfabrik Moabit. Nüsch verpassen! Einlass um 21h30, Beginn um 22 Uhr.

Du BIST erwartert!